Functional Training

Funktionell leitet sich vom Begriff der Funktion ab. Ein Funktionär hat die Aufgabe für einen reibungslosen Ablauf in seiner Organisation (z.B. im Sportverein) zu sorgen. Das Gehirn, die Nerven und Muskeln sind die Funktionäre des menschlichen Körpers, die für einen reibungslosen Bewegungsablauf sorgen. Wir sind auf bestimmte funktionelle Grundbewegungen programmiert. Um von A nach B zugelangen, gehören gehen und laufen zu den Grundbewegungsmustern des Menschen. Als Baby und Kleinkind vollziehen wir in den ersten 15 Lebensmonaten im Zeitraffer die motorische Entwicklung vom Liegen zum Rollen über das Krabbeln auf allen Vieren bis hin zum aufrechten Stand und Gang. Im Laufe unseres ersten Lebensjahres bauen wir durch tägliches Üben unterschiedlicher Bewegungs-, Roll- und Krabbelmuster Kraft und Stabilität auf, um uns gegen die Schwerkraft zu behaupten und immer komplexer werdende motorische Aufgaben zu meistern. Parallel dazu reift auch das ZNS (zentrales Nervensystem). Durch das ständige Wiederholen und Einüben der Bewegungsmuster werden aus den ersten zarten neuronalen Verknüpfungen schließlich „Autobahnen“, die uns dabei helfen, motorische Abläufe immer kontrollierter und sicherer auszuüben. Wir bauen Tag um Tag mehr Stützmuskulatur auf, um verschiedene Bewegungen und Haltungen einnehmen zu können, bis wir schließlich zum ersten Mal einen Fuß vor den anderen setzen. Bestimmte Bewegungsmuster wie z.B. die Kniebeuge funktionieren im Kindesalter noch vollkommen natürlich und harmonisch. Wer Kleinkinder beobachtet, wenn sie sich bücken um etwas vom Boden aufzuheben tun sie das intuitiv in der bestmöglichen Art und Weise – sie, beugen die Kniegelenke und senken den Hintern zum Boden wobei der Oberkörper dabei kerzengerade bleibt. Es ist ein sehr natürliches, möglichst gelenkschonendes und somit funktionelles Bewegungsmuster. Ein Musterbeispiel das uns mit der Zeit, bedingt durch unseren Lebensstil, unseren Job oder durch fehlende Praxis oder Training verloren geht. Funktionelles Training zielt genau auf diese ursprünglich erlernten Bewegungen ab. Jedes Gelenk in uns hat einen genetisch veranlagten und individuell genormten Bewegungsradius (ROM). Und es will bewegt werden. Wird es nicht aktiv bewegt, vergisst es seine Aufgabe, verkümmert und degeneriert.

Jeder Muskel in unserem Körper hat eine bestimmte Aufgabe. Die tief liegende Haltemuskulatur hat die Aufgabe den passiven Bewegungsapparat zu stützen und die Gelenke zu sichern. Es sind die kleinen Muskeln die diese Aufgabe (automatisch) machen. Die großen oberflächlichen Muskeln haben wiederum die Aufgabe die Extremitäten und Gelenke durch ihre Kontraktion zu bewegen. Jede Bewegung wird also kontrolliert von vielen Muskeleinheiten geleitet und ausgeführt. Beispiel Kniebeuge: Das Gehirn schickt bewusst einen Impuls (über die Motoneuronen des ZNS) an die betreffende Muskulatur (direkt an die Muskelzelle). In diesem Fall sind das die Oberschenkel- und Gesäßmuskeln die kontrahieren müssen um die Beinbeugung auszuführen, gleichzeitig werden (unbewusst) dabei das Sprunggelenk, das Kniegelenks, Hüft-und Wirbelsäulengelenk von anderen Muskeln stabilisiert (Stabilisatoren) um die Bewegung überhaupt stabil und sicher ausführen zu können. Man nennt dies „intermuskuläres“ Zusammenspiel. Dieses Zusammenspiel vieler Muskeleinheiten ist essentiell für eine harmonische, gesunde und somit funktionellen Bewegungsausführung. Wenn ein Glied in dieser Kette schwach ist, muss ein anderer Körperteil oder Muskel diese Schwachstelle kompensieren. Diese Kompensationsmuster können mit der Zeit zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, Schäden und Schmerzen verursachen. Komplexe Bewegungsabläufe laufen also immer über die intermuskuläre Koordination von Muskelschlingen ab. Hier setzt das Prinzip des funktionellen Trainings an. Es beschreibt also das Training von alltäglichen oder sportartspezifischen Bewegungsabläufen. Dabei gibt es keine klaren Vorgaben, je nach Zielsetzung oder Voraussetzung des Leistungsanspruches kann so ein funktionelles Training gestaltet werden. Die Rumpfstabilität spielt dabei aber immer eine wesentliche Rolle. Der Rumpf ist der Kern (Core) des Körpers. Um überhaupt Kraft auf die Extremitäten möglich effektiv übertragen zu können, muss dieser möglichst stabil und belastbar sein. Wenn eine Übung mit zusätzlichen Gewichten (z.B. Kniebeuge mit Langhantel) durchgeführt wird, ist es umso wichtiger, dass nicht nur die kleinen, tiefer liegenden Stabilisierungsmuskeln für die nötige Stabilität sorgen, es bedarf auch einer gut ausgebildeten Rumpfmuskulatur um die Bewegung stabil und sicher durchführen zu können, ohne dabei z.B. den Rücken zu schädigen. Aber nicht nur Kraftsportler, auch Ausdauersportler, Fußballer, Tennisspieler und Golfer sollten stets ein regelmäßiges Core-Training zur Unterstützung ihrer Sportart durchführen. Eine gut ausgebildete Rumpfkraft ist die Basis für Sportarten mit stets gleichen Bewegungsabläufen von mittleren bis hohen Intensitäten mit langer Dauer.

Unterm Strich sollten immer die Freude an der Bewegung und die Gesundheit im Vordergrund stehen, denn wer will nicht im Beruf und Alltag stets fit und vital sein und seinen Lieblingssport bis ins hohe Alter ausüben können? Funktionelles Training und Core-Training kann dieses Ziel positiv unterstützen.

Reinhard Gossner

 

 

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