Wundermittel Sport / 1

Sport und Bewegung verlängert das Leben, beugt Krankheiten vor und kann sie sogar heilen. Mit jeder neuen Erkenntnis werden auch Mediziner sicherer: Bewegung wirkt wie eine hoch dosierte Arznei. Man nehme ein Stück Gold und löse es in Flüssigkeit: So einfach liest sich das Rezept für Aurum Potabile, den Goldtrunk der Alchemisten, der von allen Leiden befreit und unsterblich macht. Nur zwei Zutaten braucht es für ein ewiges Leben – und doch ist es bis heute keinem Chemiker, Arzt oder Magier gelungen, das sagenumwobene Lebenselixier zu brauen. Eine Arznei, die alle Krankheiten heilt und obendrein das Leben verlängert, existiert aber nicht. Oder vielleicht doch? Es gibt ein Mittel, das man als Universalmedizin betrachten könnte. Es kostet nichts, ist frei von künstlichen Zusatzstoffen und wirkt unzähligen Leiden entgegen: die Bewegung. Wie eine hoch dosierte Pille setzt jede körperliche Anstrengung durch den aktiven Stoffwechsel unzählige physiologischer Vorgänge in Gang. Das Herz pumpt schneller, die Körpertemperatur steigt, Dutzende von Botenstoffen strömen in Kopf und Glieder. Im Gehirn entstehen neue Nervenbahnen. Krankes Gewebe heilt, neue Zellen wachsen heran, und Erbsubstanz wird repariert. Die Mechanismen, die Sport im Körper lostritt sind positiv, vielfältig und komplex. Bewegung ist eine hocheffektive Therapie, die gegen weitaus mehr Krankheiten hilft, als wir bisher wussten. Bekannt ist, dass Sport die Muskulatur, aber auch die Knochen stärkt. Wer sich viel bewegt, ist weniger anfällig für Verspannungen und er schützt sein Skelett bis ins hohe Alter vor Brüchen. Denn auch die Knochensubstanz profitiert von Sport indem äußere Krafteinwirkungen die Zellen des Knochenmarks anregen, neues Gewebe zu produzieren. Jede Kraft, die ein Muskel erzeugt, wirkt auch auf den Knochen, mit dem er verbunden ist. Dabei verformt sich der Knochen leicht – und das setzt innere Aufbauprozesse in Gang. Wer regelmäßig trainiert, am besten schon im Kindes- oder Jugendalter, senkt daher sein Risiko für die Alterserkrankung Osteoporose, bei der die Knochen nach und nach an Dichte und Stabilität einbüßen. Wieviel und welche Art von Aktivität am besten wirken, ist individuell. Tatsache ist, dass Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren alleine nicht ausreichen. Stabilisationsübungen und Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht (wie ich es z.B. in meinen Kursen anbiete), reichen aber schon völlig aus um physiologische und morphologische Anpassungen im Körper herbeizurufen. Bewegung vermag aber weit mehr, als Muskeln und Knochen zu stärken und unsere Adern gesund zu halten. Neuere sportmedizinische Erkenntnisse legen nahe, dass Sport selbst vor Krebs schützen kann – und sogar das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen kann. Am besten erforscht sind die Effekte auf Brust- und Darmkrebs. So ergaben epidemiologische Studien – bei denen Bevölkerungsdaten im Nachhinein ausgewertet werden –, dass körperlich aktive Menschen ein niedrigeres Risiko haben, an Darmkrebs zu erkranken. Auch das Brustkrebsrisiko ist bei Frauen, die regelmäßig Sport treiben, geringer als bei unsportlichen Frauen. Wie Sport und Krebs im Detail zusammenhängen, weiß man noch nicht genau. Fest steht, dass Kraft- und Ausdauertraining Übergewicht entgegenwirkt – und damit einer Ursache vieler Krebsarten. Unsere Fettpolster speichern nämlich nicht nur überschüssige Energie, sie geben auch Hormone ab. Gerade im Bauchfett (auch viszerales Fett oder Organfett genannt) werden entzündungsfördernde Stoffe gebildet. Diese wandern in andere Körperregionen ein und begünstigen dort das bösartige Zellwachstum: Beginnen diese, sich unkontrolliert zu vermehren, kann sich daraus einen bösartiger Tumor entwickeln.Indem Bewegung Fettzellen schmelzen lässt, erstickt sie also einen Keim der Krebserkrankung. Gegen Wohlstandskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes mellitus, Bluthochdruck und Übergewicht gilt Bewegung ebenfalls längst als probates Mittel – vorbeugend und sogar als eigene Therapieform. Sie hält die Arterien gesund und bewahrt uns so vor Infarkten und Schlaganfällen. Sie kurbelt die Bildung des sogenannten guten HDL-Cholesterins an, das schädliche Blutfette aufnimmt und zur Leber transportiert, wo sie ab- oder umgebaut werden. Zudem senkt Sport langfristig den Blutdruck. Und auch der Zuckerhaushalt lässt sich so stabil halten, dass körperlich aktive Typ-2-Diabetiker keine Tabletten mehr schlucken müssen. Alles in allem ist Sport eine Superpille, die am besten präventiv genommen wird.

Quelle: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2014/02/sport-bewegung-gesundheit-therapie/komplettansicht

 

 

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